Prävention

Suchtprävention hat zum Ziel die Gesundheit zu fördern und Missbrauch und Abhängigkeit vorzubeugen. Diese Kernaufgabe betrifft auch die suchtpräventive Arbeit im Themenfeld Glücksspielsucht. Weit über die reine Informationsvermittlung hinaus sollen in der Präventionsarbeit zielgruppenspezifische Maßnahmen, Methoden und Materialien entwickelt und initiiert werden.

Prävention als Querschnittsaufgabe

Präventionsarbeit ist eine Querschnittsaufgabe und ist demzufolge ressortübergreifend ausgerichtet. Viele verschiedene Professionen widmen sich dieser Thematik. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Suchteinrichtungen, aber auch in allen Einrichtungen mit beratenden, erziehenden und behandelnden Aufgaben, leisten Präventionsarbeit. In Schulen, Jugendeinrichtungen, Gesundheits- und Sozialstellen, Familienhilfeeinrichtungen, Sportverbänden, in der betrieblichen Suchtkrankenhilfe usw., überall dort, wo Menschen mit Menschen arbeiten, ist Prävention ein Thema und lassen sich die Ansprechpartner dafür finden.

Verhältnis- und Verhaltensprävention

In der Verhältnisprävention setzen die Maßnahmen an den gesellschaftlichen und strukturellen Bedingungen für das Glücksspiel an. Der Glücksspielstaatsvertrag und das Thüringer Glücksspielgesetz umfassen eine Vielzahl von Maßnahmen die verhältnispräventiven Charakter tragen und dem Spielerschutz dienen. Dazu gehören zum Beispiel Werbeeinschränkungen, Jugendschutzmaßnahmen oder die verpflichtende Herausgabe von Spielerinformationen mit Warnhinweisen. Diese Art der Prävention geschieht also auf politischer Ebene.

Die Verhaltensprävention setzt beim Verhalten des Individuums an. Hier kann ein Schwerpunkt in der Stärkung der Lebenskompetenz liegen. Eine andere Möglichkeit ist es massenmedial anhand von Aufklärungskampagnen über die Risiken im Glücksspielbereich zu informieren. Genauso gehören jedoch Unterrichtsprogramme für Schulen in das Repertoire dieses Präventionsansatzes oder aber entsprechende Schulungen für das Personal der Glücksspielanbieter.

Es geht nicht darum, das Glücksspielen zu verbieten.

Es geht um die Verhinderung des Einstiegs in die Sucht.

Es geht um Förderung von Gesundheit und Lebenskompetenz.

Es geht um den Schutz des Spielers.

Es geht um die Einhaltung des Jugendschutzes.

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Die Spielersperre in der Prävention der Glücksspielsucht

Eine Interventionsmaßnahme in der Prävention der Glücksspielsucht sind die sogenannten Spielersperren. In Deutschland gibt es seit dem Inkrafttreten des Glücksspielstaatsvertrages im Jahr 2008 die Möglichkeit, sich für Spielbanken und Lotterien mit besonderem Gefährdungspotenzial sperren zu lassen. Gemeint sind in diesem Bereich Lotterien mit mehr als zwei Ausspielungen pro Woche (ODDSET, TOTO, KENO) sowie das große und das kleine Spiel in den Spielbanken. Mit dem Glücksspieländerungsstaatsvertrag von 2012 sind auch die privatwirtschaftlichen Veranstalter von Sportwetten verpflichtet suchtgefährdete Personen vom Spiel auszuschließen. Aktuell kommen von den 32.989 Sperrsätzen in der zentralen Datenbank 92,2 % aus dem Spielbankenbereich und 7,8 % aus dem Bereich des Deutschen Lotto- und Totoblocks. Offensichtlich sind also die derzeit geduldeten Sportwettanbieter noch nicht an die bundesweite Sperrdatei angeschlossen.

Selbstsperre und Fremdsperre

Bei der Spielersperre unterscheidet man grundsätzlich zwischen einer Selbstsperre und einer Fremdsperre. Bei einer Selbstsperre reicht der Betroffene selbst den Sperrantrag beim Glücksspielanbieter ein. Die Fremdsperre wird von Dritten angeregt und kann sowohl durch die Angestellten der Glücksspielanbieter, wie auch durch Angehörige von Problemspieler*innen beantragt werden. In diesen Fällen wird die Sperre allerdings nur nach Rücksprache mit den betroffenen Glücksspieler*innen eingerichtet.

Spielersperre im gewerblichen Spiel

Im Bereich des gewerblichen Glücksspiels besteht bisher lediglich im Bundesland Hessen eine zentrale Sperrdatei. Das Spielersperrsystem OASIS (Onlineabfrage Spielerstatus) ist seit 01. Juli 2013 online und gilt verbindlich für die Spielhallen. In den ersten 18 Monaten haben sich fast 12.000 Spieler*innen sperren lassen. Das kann als Ausdruck für den großen Bedarf dieser präventiven Maßnahme gewertet werden. Dennoch hängt der Erfolg des Systems auch vom Spielhallenpersonal und von effektiven Einlasskontrollen ab. Berichten aus der Praxis zufolge fehlt es hier allerdings noch an der letzten Konsequenz.
In Thüringen haben Spieler*innen nur die Möglichkeit, sich in jeder einzelnen Spielhalle oder im jeweiligen gastronomischen Betrieb für das gewerbliche Spiel am Automaten sperren zu lassen. Eine zentrale Sperrdatei wie in Hessen gibt es nicht. Eine mögliche Einführung wird allerdings durch die Thüringer Fachstelle GlücksSpielSucht befürwortet.

Hausverbot oder Spielersperre?

Von Spielhallenbetreibern kann häufig die Absicht festgestellt werden, anstatt einer Spielersperre ein Hausverbot für suchtgefährdete Spieler*innen auszusprechen. Aus Sicht der Thüringer Fachstelle GlückSpielSucht ist das Hausverbot keine geeignete Alternative zur Spielersperre. Die Spieler*innen mit Hausverbot werden kriminalisiert und die Betreiber schieben die Verantwortung bei einem möglichen Umgehen des Hausverbotes einseitig den Betroffenen zu. In diesen Fällen stehlen sich die Glücksspielanbieter aus der Pflicht, denn: Der Betreiber eines Unternehmens nach § 1 ist verpflichtet, die Spieler zu verantwortungsbewusstem Spiel anzuhalten und der Entstehung von Spielsucht vorzubeugen. (§ 4 Abs. 5 Thüringer Spielhallengesetz)
Dennoch bleibt den Glücksspieler*innen in Thüringen manchmal keine andere Wahl, als ein Hausverbot anzunehmen, da es im Freistaat keine gesetzliche Grundlage für die Spielersperre gibt und die Betreiber somit nicht zur Anerkennung der Sperranträge verpflichtet sind.

Spielersperrsystem OASIS

rp-darmstadt.hessen.de

Informationen für Glücksspieler und deren Angehörige

Auf der Website fairspielt.info wird detailliert auf die Besonderheiten verschiedener Glücksspielangebote beim Einrichten der Spielersperre eingegangen. Zudem finden sich auf dieser Website ganz allgemeine Hinweise, die beim Beantragen einer Sperre hilfreich sind.

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Sozialkonzepte

Sozialkonzepte gelten als eine Maßnahme zur Prävention der Glücksspielsucht. Veranstalter und Vermittler von öffentlichen Glücksspielen sind seit dem Inkrafttreten des Glücksspielstaatsvertrages (2008) dazu verpflichtet Beauftragte für die Entwicklung von Sozialkonzepten zu benennen. Zudem müssen Glücksspielanbieter das Personal im Sinne des Spielerschutzes schulen. Im Anhang des Glücksspielstaatsvertrages „Richtlinien zur Vermeidung und Bekämpfung von Glücksspielsucht“ ist dafür der entsprechende Rahmen gesetzt.

Interessenkonflikte in der Praxis

Einige Glücksspielanbieter erwirtschaften einen großen Teil ihrer Einnahmen durch problematische und pathologische Glücksspieler*innen. Da die Regelungen zu den Sozialkonzepten im Glücksspielstaatsvertrag nicht präzise konkretisiert und den Anbietern Spielräume in der Umsetzung eingeräumt wurden, erscheint die Wirksamkeit dieser präventiven Maßnahme zumindest fraglich. Sozialkonzepte können aus theoretischer Sicht einen Beitrag zur Suchtprävention leisten. Es gibt allerdings zahlreiche Hinweise darauf, dass diverse Glücksspielanbieter wenig Interesse an deren Umsetzung zeigen. Sozialkonzepte können nur präventiv wirksam werden, wenn die Einhaltung kontrolliert, Verstöße geahndet oder deren Entwicklung und Umsetzung gar von unabhängigen Dritten vollzogen wird.

Vgl. dazu Adams, M. (2010) und Fiedler, I. et al (2017).

Mehr zum Thema:

Wirksamkeit von Sozialkonzepten bei Glücksspielanbietern (2017)

Fiedler, I., Wilcke, A.-C., Thoma, G., Ante, L., Steinmetz, F.

Was wird aus dem Glücksspielstaatsvertrag? (2010)

Professor Dr . Michael Adams

Mustersozialkonzepte in Thüringen

Sowohl Spielhallenbetreiber, wie auch Gastwirte sind in Thüringen verpflichtet Sozialkonzepte für den Betrieb von Geldgewinnspielgeräten vorzuhalten und umzusetzen. Thüringen hat für beide Gewerbe Mustersozialkonzepte geschaffen, um einen möglichst einheitlichen Spielerschutz in Thüringen zu gewährleisten. Die Sozialkonzepte erscheinen aus suchtfachlicher Sicht wirksam und berücksichtigen die rechtlichen Anforderungen. Sie werden kostenfrei durch den Freistaat zur Verfügung gestellt. Spielhallenbetreiber und Gastwirte können diese Mustersozialkonzepte übernehmen. Es kann davon ausgegangen werden, dass sie durch die unteren Glücksspielaufsichten Anerkennung finden. Diese Anerkennung ist Voraussetzung für eine glücksspielrechtliche Erlaubnis, beziehungsweise berechtigt zum Aufstellen von Geldgewinnspielgeräten in Gaststätten.

Downloads zum Thema:

Muster-Sozialkonzept für Thüringer Spielhallen

Muster-Sozialkonzept für Thüringer Gastronomie