Anlässlich des diesjährigen bundesweiten Aktionstages gegen Glücksspielsucht am 25. September rückt die Thüringer Fachstelle GlücksSpielSucht das Thema Online-Glücksspiel in den Mittelpunkt. Sie spricht sich klar gegen die Zulassung von Online-Casinospielen aus.

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Privatwirtschaft mit den aktuell verfügbaren Mitteln der Glücksspielaufsichten kaum im Zaum gehalten wird. Der wirtschaftlichen Ausbeutung der Glücksspieler*innen ohne ausreichende staatliche Kontrolle ist Tür und Tor geöffnet.
Die entscheidende Fragestellung bei allen Überlegungen der Politik muss sein, stellen wir finanzielle Interessen von Glücksspielanbietern und Staat über den Schutz der Bevölkerung? Ist der erhöhte Steuerertrag zu Lasten langfristiger sozialer Kosten akzeptabel? Der Hamburger Volkswirt Ingo Fiedler zeigte bereits 2016, dass die durch Glücksspielsucht entstehenden Folgekosten die positiven Effekte des Glücksspiels auf die Volkswirtschaft übersteigen . Einzig Lotterien weisen eine positive Wohlfahrtsbilanz auf. Nach gegenwärtiger Rechtslage ist die Veranstaltung von Online-Glücksspielen in Deutschland untersagt. Einzige Ausnahme bilden die Vermittlung von landeseigenen Lotterien sowie die mittlerweile geduldete Vermittlung und Veranstaltung von Sportwetten.  Der derzeitig diskutierten zukünftigen möglichen Erlaubniserteilung für Online-Casinospiele kann aus suchtpräventiver Sicht nur eine klare Absage erteilt werden.

Online-Casinos erwirtschafteten Bruttospielerträge in Höhe von knapp 1,3 Milliarden Euro , Tendenz steigend. Die Glücksspielwerbung in diesem Bereich ist vor allem im Privatfernsehen weit verbreitet. Für Zuschauer*innen ist dabei meist nicht ersichtlich, dass es sich um illegale Glücksspielangebote handelt. Nicht zu vergessen, bei manchem/r Politiker/in sind die zu erwartenden Steuereinnahmen natürlich willkommenes Mittel zum Auffüllen der Staatskasse.

„Eine Öffnung des Marktes für Online-Glücksspiele erhöht das Gefahrenpotenzial von Online-Casinos für die Bevölkerung“, so die Thüringer Fachstelle GlücksSpielSucht. Die Verfügbarkeit steigt und trägt zur Normalisierung dieser bisher verbotenen Glücksspielformen bei. Die bisherige Entwicklung im Bereich der Sportwetten hat deutlich gezeigt, wie Glücksspielanbieter den Markt meist zum Nachteil der Glücksspieler*innen unter sich aufteilten.

Grundsätzlich sind Glücksspiele unterschiedlich gefährlich für die Gesundheit der Spieler*innen. Online-Casinospiele gelten jedoch als Glücksspiele mit sehr hohem Gefährdungspotenzial hinsichtlich dem Entstehen einer Glücksspielsucht. Insbesondere die sehr kurze Spieldauer, die schnelle Spielabfolge, viele Spiel- und Einsatzgelegenheiten, spannungserzeugende Effekte und die ständige Verfügbarkeit über Smartphone und Computer sind diesbezüglich schwerwiegende Merkmale. Letztendlich werden die hoch gefährlichen Automatenspiele aus den Spielhallen und Kneipen in die heimischen Wohnzimmer und an die Arbeitsplätze der Bevölkerung transportiert.  Ein weiteres Verbot von Online-Casinos ist eine konsequente Entscheidung für den Schutz der Bevölkerung. „Es gibt keine aussagekräftigen Studien, die eine sachliche Risiko-Nutzen-Abwägung ermöglichen, ebenso wie es keine nachweisbaren funktionierenden Instrumente zur Durchsetzung des Jugend- und Spielerschutzes im gesamten Online-Bereich gibt“, erklärt die Thüringer Fachstelle GlücksSpielSucht.

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