ueberschrift

Forschung

Die Forschung zum Thema Glücksspiel und Glücksspielsucht ist in Deutschland noch ein junges Forschungsgebiet und hat erst in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Die Bundesländer fördern spezifische Forschungsprojekte, um zu wissenschaftlichen Erkenntnissen zu den Ursachen der Glücksspielsucht, den Möglichkeiten der aktiven Suchtprävention und zur Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen zu gelangen.

zahlen

Zahlen / Daten / Fakten

Deutschland liegt mit einem Anteil von ca. 0,5 % von Glücksspielsucht betroffenen Menschen unter der Gesamtbevölkerung im internationalen Vergleich im Mittelfeld.

In Norwegen gelten 0,15 % als glücksspielsüchtig und in Hongkong liegt die Rate bei 1,8 %.

Quelle: Meyer, G., Bachmann, M., Spielsucht. Ursachen, Therapie und Prävention von glücksspielbezogenem Suchtverhalten. 3. Auflage, Berlin Heidelberg 2011. S. 62 ff.

Pathologische Glücksspieler in der ambulanten Thüringer Suchthilfe

… Menschen mit glücksspielbezogenen Problemen wurden im ambulanten Suchthilfesystem in Thüringen beraten und behandelt

%

… der Hilfesuchenden sind Männer

… Kinder unter 18 Jahren leben in Haushalten von Thüringer Glücksspielsüchtigen

… beträgt die durchschnittliche Verschuldung von Glücksspieler*innen in Thüringer Suchtberatungsstellen

Quelle: Fachverband Drogen- und Suchthilfe e.V. (2016). Dokumentation »Pathologische Glücksspieler in der ambulanten Thüringer Suchthilfe«. Erfurt: Im Auftrag des Thüringer Ministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie.

Glücksspiel und Jugend

Glücksspielsucht ist mit immensen psychosozialen Folgen verbunden. Ein früher Einstieg und eine hohe Verfügbarkeit begünstigen problematisches und pathologisches Spielverhalten.

Jugendliche gelten hier als besonders gefährdet. Minderjährigen ist somit die Teilnahme an öffentlichen Glücksspielen verboten. Der Kinder- und Jugendschutz ist gesetzlich klar geregelt. Und dennoch …

studien

Empirische Studien

Durch empirisch angelegte Studien wird vorrangig das Glücksspielverhalten der deutschen Bevölkerung erfasst, sowie die Nutzung der Glücksspielangebote und deren Auswirkung auf die Spieler evaluiert.

Dokumentation

Dokumentation »Pathologische Glücksspieler in der ambulanten Thüringer Suchthilfe«

Auf Grundlage des Deutschen Kerndatensatzes zur Dokumentation im Bereich der Suchtkrankenhilfe (KDS), ergänzt um Items zum Thema Glücksspiel, werden im Freistaat Thüringen seit dem Jahr 2010 fortlaufend Daten erhoben. Die Datenerhebung erfolgt anhand von sechs verschiedenen beratungsprozessbezogenen Bögen. Diese wurden 2008 durch den Thüringer Arbeitskreis „Netzwerk Pathologisches Glücksspielen“ entwickelt und eingeführt. Eine Aktualisierung der Dokumentationsbögen fand im Zuge der Überarbeitung des KDS in Version 3.0 im Jahr 2017 statt. Für die Durchführung dieser Erhebung bedarf es der Mitwirkung von Trägern des Thüringer Suchthilfesystems und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Psychoszialen Beratungsstellen (PSBS). Von insgesamt 26 ambulanten Einrichtungen beteiligten sich an der aktuellen Erhebung 18 Beratungsstellen beziehungsweise Suchthilfezentren.

Manual zur Dokumentation „Pathologische Glücksspieler*innen in der ambulanten Thüringer Suchthilfe“

Dokumentationsbögen für Psychosoziale Beratungsstellen

Erstkontaktbogen

Anamnesebogen inkl. Zusatzblatt A

Verlaufsbogen

Abschlussbogen inkl. Zusatzblatt B

Katamnesebogen

Katamneseprotokoll


 

Pathologisches Glücksspielen und Epidemiologie (PAGE): Entstehung, Komorbidität, Remission und Behandlung (2011)

Die groß angelegte Studie wurde durch Mittel der Bundesländer im Rahmen des ersten Glücksspielstaatsvertrages 2008 ermöglicht. Das Ziel des PAGE-Projektes war Daten für repräsentative und gut differenzierte Aussagen bereitzustellen. Insgesamt wurden über 16.000 Personen mittels verschiedener Methoden befragt.

Pathologisches Glücksspielen und Epidemiologie (PAGE) 2011


 

Glücksspielverhalten und Glücksspielsucht in Deutschland. Ergebnisse des Surveys 2015 und Trends

Die Ergebnisse des repräsentativen Surveys 2015 wurden im März 2016 veröffentlicht. Diese Erhebung wird in zweijährigen Intervallen im Auftrag des Deutschen Lotto- und Totoblocks durchgeführt und ist eine der wenigen deutschen Repräsentativbefragungen (n = 11.501) zu glücksspielbezogenen Einstellungen und Problemen in der Bevölkerung.

Glücksspielverhalten und Glücksspielsucht in Deutschland – Ergebnisbericht BZgA 2015

historie

Historie

Das Phänomen Glücksspiel findet sich in allen Kulturen und Gesellschaftsformen und ist fast so alt wie die Menschheit. Die ersten historischen Zeugnisse gehen bereits auf die Zeit um etwa 3000 v. Chr. zurück. Die Kulturgeschichte des Glücksspiels reicht bis in die Antike.

Das Würfelspiel ist dabei eines der ältesten Spiele. Im 14. Jahrhundert löste das Kartenspiel aus Asien in Europa die Würfel ab. Später im Mittelalter kamen das Lotteriespiel und Roulette dazu. 1612 wurde in Hamburg die erste staatliche Geldlotterie in Deutschland veranstaltet. Der erste Geldspielautomat ist auf das Jahr 1889 zurückzuführen.

Auch in der heutigen Zeit gehören Glücksspiele zu unserem gesellschaftlichen Alltag und für die meisten Menschen bedeuten sie spannungsvollen Spaß, Unterhaltung und Freizeitvergnügen. Aber mit dem Glücksspiel sind auch Risiken verbunden, sowohl früher als auch heute. Gewinn und Verlust liegen dicht beieinander. Viel Geld kann verloren, „Haus und Hof“ verspielt werden. Schon Dostojewski beschreibt 1867 in seinem Roman „Der Spieler“ sehr anschaulich, wie sich eine Glücksspielsucht entwickeln kann, typischerweise durch einen faszinierenden Anfangserfolg beim Spielen.

Die Geschichte des Glücksspiels war immer mit Reglements, mit Erlassen und Verboten verbunden. Übergreifend über verschiedene zeitliche Epochen finden sich in der gesellschaftlichen Bewertung von Glücksspielen wechselnde Beurteilungen, die ihre Ursachen in den möglichen negativen Auswirkungen des Glückspielens auf die psychische (Spielsucht) und wirtschaftliche (Vermögensverlust) Situation des Spielers oder der Spielerin haben. Für die öffentliche Veranstaltung von Glücksspielen gibt es heute fast überall in Europa eingeschränkte Regelungen. Deutschland nimmt darin keineswegs eine Sonderstellung ein.

Glücksspiele im Altertum

Erste Zeugnisse von Glücksspielen aus der ägyptischen Kultur etwa 3000 v. Chr.

„Seit mindestens 5000 Jahren bedienen sich Menschen der Würfel. Ihr Zweck ist es, ein Zufallsereignis herbeizuführen […] sei es um eine Entscheidung im Falle eines Dilemmas zu fällen, sei es zum reinen Vergnügen. Hierzu werden zweiseitige Objekte wie Kaurischnecken, gespaltene Hölzchen oder dekorierte Fruchtkernschalen (mimvia) verwendet, Astragale geworfen oder mit viel Sorgfalt geometrische Körper mit Markierungen hergestellt…“

Quelle: Schädler, Ulrich (2008). Von der Kunst des Würfelns. Volles Risiko! Glücksspiel von der Antike bis heute. Hrsg. Badisches Landesmuseum Karlsruhe. S. 21

Tacitus (51 – 116 n. Chr.) berichtet in der Germania von der Spielleidenschaft der Germanen

„Unverständlich ist mir des Germanen Leidenschaft für das Würfelspiel. In vollständig nüchternem Zustande treibt er es wie ein ernstes Geschäft und dabei mit solcher blinden Tollheit, daß er, wenn alles andere hin ist, auf den letzten Wurf sogar seine persönliche Freiheit setzt. Verliert er, stellt er sich gutwillig als Sklave, läßt sich binden und verkaufen, wenn er auch der Jüngere und Stärkere ist. So hartnäckig vertreten sie sogar ihre Torheit. Sie selbst nennen das Treue. Übrigens pflegt man solche Sklaven zu verkaufen, um sich die beständige Scham über den Gewinn zu ersparen.“

Quelle: Statuen Deutscher Kultur, Band 1 (1906). Die Germania des Tacitus. Deutsch von Will Vesper. München: C.H. Beck´sche Verlagsbuchhandlung Oskar Beck. S. 33

Kaiser Justinian (482 – 527 n. Chr.) untersagte sämtliche Glücksspiele

„Für die Römer war das Glücksspiel unerlässlicher Bestandteil der gesellschaftlichen Unterhaltung. Zahlreiche Belege einer sich ausbreitenden Spielleidenschaft, nicht nur unter römischen Kaisern, liegen vor. Ambrosius (334-397 n. Chr.) schilderte beispielsweise Spielertreffen, bei denen unter Beifallsgeschrei der Zuschauer und dem Jammern der Verlierenden ganze Vermögen den Besitzer wechselten, den höchsten Gewinn aber die Wucherer machten. Der Satirendichter Juvenal entrüstete sich über die Senatoren, die sich ihre Spielkasse sogar in die Sitzungen nachtragen ließen…“

Quelle: Meyer, G.; Bachmann, M. (2011). Spielsucht: Ursachen, Therapie und Prävention von glücksspielbezogenem Suchtverhalten. Springer Verlag, 3. Auflage, Berlin Heidelberg. S. 8

publikationen

Publikationen / Fachliteratur

Der Literaturfundus zu den Themen Glückspiel und Glücksspielsucht ist reichhaltig. In der Thüringer Fachstelle GlücksSpielsucht haben wir eine Fachbibliothek angelegt. Die Medien können ausgeliehen werden. Das Bibliotheksverzeichnis zum Download finden Sie hier.

Downloads zum Thema

Download zu Publikationen / Fachliteratur – Literaturverzeichnis

Download zu Publikationen / Fachliteratur – Suchtmedizinische Reihe Band 6 Pathologisches Gluecksspielen

Aktuelle Titel aus dem Themengebiet:

Meyer, G.; Bachmann, M. : Spielsucht: Ursachen, Therapie und Prävention von glücksspielbezogenem Suchtverhalten. Springer Verlag, 3. Auflage, Berlin Heidelberg 2011

„Die Autoren informieren umfassend über die Ursachen des Suchtproblems, beschreiben ausführlich und praxisnah die Behandlungsmöglichkeiten und zeigen vorbeugende Maßnahmen auf. Anhand zahlreicher Fallbeispiele werden Therapieschritte und Fragestellungen verständlich beschrieben und konkret besprochen.“

Hayer, T.: Jugendliche und glücksspielbezogene Probleme – Risikobedingungen, Entwicklungsmodelle und Implikationen für präventive Handlungsstrategien, in: Becker, T. (Hrsg.) Schriftenreihe zur Glücksspielsuchtforschung 9, Peter Lang – Internationaler Verlag der Wissenschaften, Frankfurt am Main 2012

„Kommerzielle Glücksspielangebote und selbstorganisierte Spiele um Geld stellen einen integralen Bestandteil der Lebenswirklichkeit vieler Jugendlicher dar. Zugleich gilt diese Altersgruppe als besonders gefährdet für die Entwicklung glückspielbezogener Probleme. Vor dem Hintergrund eines Mangels an überzeugenden Erklärungsansätzen verfolgt diese Abhandlung das übergeordnete Ziel, das gegenwärtig verfügbare Wissen zu Risiko- und Schutzfaktoren problematischen Spielverhaltens in der Adoleszenz in systemischer Weise zu erfassen.“

Fiedler, I.: Glücksspiele – Eine verhaltens- und gesundheitsökonomische Analyse mit rechtspolitischen Empfehlungen. Peter Lang – Internationaler Verlag der Wissenschaften, Frankfurt am Main 2016

„Der Autor analysiert den Glücksspielmarkt in Deutschland umfassend theoretisch und empirisch und stellt seinen Nutzen den Kosten für die Gesellschaft gegenüber. […] Der Autor beziffert den gesamtgesellschaftlichen Schaden aus dem Glücksspielangebot in Deutschland und belegt die Notwendigkeit gesetzgeberischer Änderungen. Er empfiehlt ein Verbot des gewerblichen Automatenspiels und eine Abkehr von nutzlosen Sozialkonzepten.“

Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (Hrsg.): Pathologisches Glücksspielen – Suchtmedizinische Reihe Band 6, Hamm 2013

„Die Suchtmedizinische Reihe wendet sich an diejenigen Berufsgruppen, die in ihrem Alltag mit Patientinnen und Patienten bzw. Klientinnen und Klienten in Kontakt geraten, bei denen ein riskanter Substanzgebrauch, ein Missbrauch oder eine Abhängigkeit vorliegt, und die sich vertiefend mit den spezifischen Problematiken der jeweiligen Substanzen, den Wirkungsweisen der Substanzen im Körper, den gesundheitlichen Folgeschäden, den Behandlungsmöglichkeiten oder rechtlichen Aspekten beschäftigen wollen.“

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