Mit dem 01. Januar 2019 übernahm die landeseigene Lotteriegesellschaft die Namensrechte des Oberhofer Biathlon-Stadions sowie für die von Leistungs- und Breitensport genutzte Skisport-Halle. Nun ist es nicht gelungen, die Arena pünktlich zum Anfang Januar stattfindenden Biathlon-Weltcup in den Lottofarben zu schmücken. Zukünftig wird es aber so sein, dass sämtliche Wettkämpfe vor rot-gelben Hintergrund in der „LOTTO-Thüringen Arena am Rennsteig“ stattfinden.

Als im Juli 2018 das Fußballstadion im nordrhein-westfälischen Düsseldorf nach einem familiengeführten Glücksspielanbieter benannt wurde, gab es zumindest den einen oder anderen deutlichen Protest. So verwies Sylvia Schenk von der Antikorruptionsorganisation Transperancy International Deutschland auf die Suchtrisiken von Glücksspielen, die Auswirkungen auf die Integrität des Sports wegen möglicher Wettmanipulationen sowie das fehlende Problembewusstsein bei Entscheidungsträgern in Sport und Politik. Ohne großes Aufsehen geschah unterdessen das Auftreten von LOTTO Thüringen als Namenssponsor für die Arena in Oberhof, obwohl auch in diesem Fall wesentliche Fragen der Suchtprävention und des Jugendschutzes bedacht werden müssen.

Gesetzlich verordnete Förderung oder Sponsoring

Man könnte dagegen halten, dass LOTTO-Thüringen im Vergleich zu einem privaten Anbieter von Spielhallen, Spielbanken und unerlaubten Sportwetten ein durchaus risikoärmeres Glücksspielangebot aufweist. Zumal ein wesentlicher Anteil der LOTTO-Erträge, zuletzt knapp 18 Millionen Euro, über Fördermittel in die Finanzierung des Sports, der Wohlfahrt und der Denkmalpflege geflossen ist und die Überschüsse sowieso im Landeshaushalt versinken. Das hieße also: Spielen sie lieber für den guten Zweck und nicht zur Bereicherung eines privaten Unternehmens. Allerdings ist aus Sicht der Thüringer Fachstelle GlücksSpielSucht das Sponsoring von Sportveranstaltungen durch Glücksspielanbieter in jedem Fall kritisch zu betrachten.

Natürlich ist LOTTO Thüringen ein notwendiger Förderer des Thüringer Sports. Es gibt jedoch einen Unterschied zwischen der gesetzlich vorgeschriebenen Förderung des Sports und dem Sponsoring durch LOTTO Thüringen. Bei der Förderung erhält der staatliche Glücksspielanbieter keine Gegenleistung. Demgegenüber erwirbt LOTTO Thüringen bei einem Sponsoring für eine bestimmte Zeit eine Leistung vom Werbeträger. Im Fall der Oberhofer Rennsteig-Arena wird diese zur „LOTTO-Thüringen Arena am Rennsteig“ inklusive einer kompletten Ausgestaltung in den LOTTO-Farben und mit dem Logo des Sponsors.

Glücksspielwerbung ohne Grenzen

Aus suchtpräventiver Sicht fehlt es an aussagekräftigen Studien über die Wirkung von Glücksspielwerbung auf Konsument*innen im Allgemeinen und auf Kinder und Jugendliche im Besonderen. LOTTO Thüringen wird über die Oberhofer Rennsteigarena zukünftig zehntausende Besucher vor Ort und Millionen Zuschauer über die Medien erreichen. Hinzu kommt, dass Wettkämpfe von Kindern und Jugendlichen ab sofort in der LOTTO-Arena stattfinden und dass Minderjährige in der „LOTTO-Thüringen Skisport-Halle“ trainieren. Mögen auch Studien zur Glücksspielwerbung nicht vorhanden sein, der Anbieter rechnet in jedem Fall mit einer für ihn positiven Wirkung, sonst würde er die Investition nicht tätigen.

Aktuell werden in Thüringen ein Speerwurf-Olympiasieger und zwei Rennrodel-Weltmeister durch LOTTO Thüringen gesponsert. Der positiven Ausstrahlung von sportlichen Vorbildern auf Kinder und Jugendliche ist sich der Glücksspielanbieter bewusst (siehe: https://www.thomas-roehler.de/pressekonferenz-mit-lotto-thueringen-gluecksspirale/).  Weiterhin sprechen wir hierzulande vom „VfB Suhl LOTTO Thüringen Volleyball-Bundesliga-Frauen-Team“ sowie vom „LOTTO Thüringen Supermarathon“ beim GutsMuths-Rennsteiglauf. Im Radsport sprechen wir von der „LOTTO Thüringen Burgenfahrt“ als Familientour und regionales Volksfest und es wurde aus der Thüringenrundfahrt der Frauen die „LOTTO Thüringen Ladies Tour“. Mit der Umbenennung des Oberhofer Biathlon-Stadions handelt sich um einen nächsten Versuch zur Etablierung von Glücksspielen in der Mitte unserer Gesellschaft.

Wie lange wird es sich vor diesem Hintergrund verhindern lassen, bis das defizitäre Stadion in Erfurt den Namen eines Wettanbieters trägt? Inzwischen sind Private Sportwettanbieter Hauptpartner der Fußballligen und bei jedem größeren Sportevent sind die Werbebanner der Branche zu sehen. Der Gipfel dieser Entwicklung ist die Bewerbung von illegalen Glücksspielangeboten im Fernsehen und im Online-Bereich. Der Allgemeinbevölkerung und Kindern und Jugendlichen werden mit dieser medialen Präsenz unterschiedlichster Glücksspielanbieter Normalität suggeriert und Bedürfnisse geweckt. Was sagt es jedoch über eine Gesellschaft, wenn Glücksspiele heute einen dermaßen zentralen Stellenwert einnehmen?

Strengere Werberichtlinie gefordert

Heute wird über die Neugestaltung des Glücksspielstaatsvertrages diskutiert und es gibt Stimmen im politischen Spektrum, denen kann es mit der völligen Freigabe des Glücksspielmarktes gar nicht schnell genug gehen. Aus Sicht der Thüringer Fachstelle GlücksSpielSucht braucht es mit der Novellierung des Staatsvertrages aber mindestens genauso dringend eine konsequente Überarbeitung der Werberichtlinien im Sinne des Jugend- und Spielerschutzes. Ließen sich hierzulande umfassende Werbebeschränkungen ähnlich dem Tabak-Werbeverbot durchsetzen, wäre ein großer Schritt in Richtung Prävention der Glücksspielsucht getan.

Der Sport braucht natürlich Sponsoren und Finanzierungsmöglichkeiten und auch das Biathlon-Stadion in Oberhof oder die Skisport-Halle sollen weiterhin betrieben werden. Artikel 30 Absatz 3 der Thüringer Verfassung verpflichtet das Land und seine Gebietskörperschaften zum Schutz und zur Förderung des Sports. Da muss doch ein anderer Weg zu finden sein, als alles an die Glücksspielbranche, zu der auch LOTTO Thüringen gehört, zu verhökern.

Erfurt, den 16. Januar 2019

Thüringer Fachstelle GlücksSpielSucht

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