Die Freiwillige Selbstkontrolle Unterhaltungssoftware GmbH (USK) veröffentlichte am 05. September 2019 auf ihrer Website eine Erklärung zum simulierten Glücksspiel und Jugendschutz. Anlass für die Veröffentlichung sind vermehrte Anfragen an das Unternehmen zur Altersfreigabe von Spielen, die simulierte Glücksspiele enthalten (sollen).
Die USK gibt damit eine Erklärung ab, warum simulierte Glücksspiele in Deutschland eine Altersfreigabe ab 0 Jahren erhalten. In der Darlegung beschränkt sie sich lediglich auf eine rechtliche Differenzierung zwischen simuliertem und tatsächlichem Glücksspiel. Demnach sind Glücksspiele für Nutzer*innen unter 18 Jahren verboten. Handelt es sich jedoch um Spiele, deren Merkmale die juristischen Kriterien für Glücksspiele nicht vollumfänglich erfüllen, so wird ein „USK 0“ ausgesprochen.

Simulierte Glücksspiele fördern problematisches Spielverhalten

Der suchtpräventiven Perspektive genügt diese Argumentationslinie in keiner Weise. Anhand von simulierten Glücksspielen lernen Kinder und Jugendliche die Mechanismen und Spieleigenschaften von tatsächlichen Glücksspielen kennen. Inzwischen gibt es Studien, die nachweisen, dass Nutzer*innen von simulierten Glücksspielen im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung deutlich häufiger eine problematische Internetnutzung, eine problematische Online-Videospielnutzung, wie auch häufiger ein problematisches Glücksspielverhalten zeigen. Nutzer*innen simulierter Glücksspiele nehmen Glücksspielwerbung stärker wahr und zeigen häufiger irrationale Kontrollüberzeugungen im Spielverhalten, als Menschen, die bisher noch keine Berührungspunkte mit diesen Spielen hatten. Zudem konnte die Thüringer Fachstelle Glücksspielsucht im Jahr 2013 zeigen, dass pathologische Glücksspieler*innen sehr häufig bereits als Minderjährige Kontakte zum Glücksspiel hatten.

Rückzug auf die juristische Definition reicht nicht aus

Der Rückzug auf die juristische Definition reicht heutzutage einfach nicht mehr aus, um die „USK 0“ Freigabe zu rechtfertigen. Echte Glücksspiele sind oftmals nur einen Mausklick vom jugendfreien Gaming-Bereich entfernt. Außerdem stellt sich in Anbetracht der Risiken von Glücksspielen und der geringen Impulskontrollfähigkeit von Minderjährigen die Frage, ob man bereits Kinder mit den Prinzipien von simulierten Geldspielautomaten oder simulierten Pokerrunden vertraut machen sollte?
Letztendlich ist in Videospielen alles eine Simulation, die Gewalt, der Sex, die Drogen und die Diskriminierung. Die jugendschutzrechtliche Relevanz dieser simulierten Videospielinhalte würde jedoch keiner in Frage stellen. Was macht es dann im Falle simulierter Glücksspiele so schwer, selbstverständlich und ganz freiwillig, zumindest eine „USK 16“ auszusprechen?

Was ist die USK?

Die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) ist eine freiwillige Einrichtung der Computerspielewirtschaft. Sie ist zuständig für die Prüfung von Computerspielen in Deutschland. Als Organisation ist sie vergleichbar mit der eher bekannten Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK).

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