Der Verband „Die Deutsche Automatenwirtschaft e.V.“ schaltete zum 17. Oktober 2018 eine bundesweite Werbekampagne mit der Kernaussage „Wir spielen fair.“. Botschafter und Unterstützer der Kampagne ist der ehemalige DFB-Kapitän Bastian Schweinsteiger.
Für insgesamt sechs Wochen werden auf 482 Kinoleinwänden in sämtlichen Landeshauptstädten und in 670 gebuchten Fernsehspots Schweinsteigers Sätze, wie zum Beispiel „Das Allerwichtigste ist, dass du sauber spielst, egal wo und was du spielst.“ zum Besten gegeben. Zusätzlich finden sich in Anzeigeteilen von 20 politischen Magazinen und auf bundesweit 3500 Plakaten fünf Regeln für „faires Spiel“ vor dem Konterfei des Fußballweltmeisters von 2014. Nicht zu vergessen sind die zahlreichen Facebooknutzer*innen oder die ca. 5 Millionen Twitter-Follower, die das Werbevideo über die Accounts von Herrn Schweinsteiger serviert bekommen.

Automatenspiele – Glücksspiele mit hohem Suchtpotenzial

Die Deutsche Automatenwirtschaft ist ein Dachverband von Unternehmen aus dem Bereich des gewerblichen Spiels. Damit gemeint ist das Angebot der Geldspielautomaten in Spielhallen und gastronomischen Einrichtungen. Ihre Wurzeln haben die Automatenspiele auf den Jahrmärkten des Deutschen Reiches zu Beginn des 20. Jahrhunderts und sie galten einst als Geschicklichkeitsspiele. Dieser Charakter ging längst verloren. Heute sind die Spielstätten entlang der Autobahnen allgegenwärtig und Spielhallen prägen mancherorts ganze Stadtviertel. Die Automatenspiele gelten seit vielen Jahren als Glücksspiele mit dem höchsten Suchtpotenzial und bei diesen einst harmlosen „Groschengräbern“ stehen Vermögenswerte der Spielerinnen und Spieler auf dem Spiel.
Seit Jahren steigen die Bruttospielerträge auf dem Glücksspielmarkt. Das gewerbliche Spiel generiert ca. die Hälfte des Gesamtvolumens. Im Jahr 2016 erwirtschafteten die Spielhallen und Gaststätten 5,6 Milliarden Euro mit den Geldspielgeräten. Demgegenüber stehen die Verluste der Spieler*innen und deren Angehörigen. Neu-Millionäre unter den Automatenspieler*innen sind bisher nicht bekannt. Im Jahr 2017 lag bundesweit die ambulante Betreuungsnachfrage von pathologischen Glücksspieler*innen bei ca. 24.100 Fällen und unter diesen bilden die mit Abstand größte Gruppe die Spieler*innen an Geldspielautomaten (72,3 %). 18 Monate nach der Implementierung eines spielhallenübergreifenden Sperrsystems in Hessen lagen 12.000 Sperrsätze von Spieler*innen mit glücksspielbezogenen Problemen vor. Eine Hochrechnung auf das Bundesgebiet ergäbe 153.000 bis 168.000 Spielersperren in deutschen Spielhallen. Die Forschung geht von 8-10 Mitgeschädigten aus dem sozialen Umfeld eines Betroffenem oder einer Betroffenen aus. Somit eröffnet sich hier ein Problembereich von gesamtgesellschaftlicher Relevanz.

Automatenwirtschaft ringt um besseres Image

Hierin liegt auch die Begründung dafür, warum das Glücksspiel im Allgemeinen und das Automatenspiel im Besonderen keine normalen Dienstleistungen sind. Das Glücksspiel besitzt einen eigenen Reiz und je mehr es die Spieler*innen in den Bann zu ziehen vermag, umso höher ist das Suchtpotenzial. In privatwirtschaftlichen Händen wird ein solches Produkt hochgefährlich für die Kundschaft. Denn jeder Kaufmann, jede Kauffrau ist bestrebt den Umsatz zu steigern, den Gewinn zu maximieren und die Kunden zu binden. Im Bereich des Glücksspiels bedeutet Kundenbindung die Erzeugung von problematischen und pathologischen Spielverhalten.
Im Ringen um gesellschaftliche Anerkennung werden durch die Automatenunternehmer*innen immer wieder Prominente eingekauft. Dunja Hayali oder Jan Hofer engagieren sich zum Beispiel regelmäßig im Rahmen von Veranstaltungen der Branche. Kein Geheimnis ist auch die Nähe zu bestimmten Kreisen in der Politik. Eine halbseiden veränderte Spielverordnung kann als ein deutliches Indiz dafür gelten. Über die Gründe von Bastian Schweinsteigers Engagement für diese Branche lässt sich nur mutmaßen. Das Automatenspiel ist völlig anders strukturiert als ein Bewegungsspiel wie Fußball. Die Tugenden vom „sauberen Spiel“ und das „Vorleben von Fairness“ mit dem Automatenspiel zu verbinden, erscheint dann doch arg konstruiert. Wer würde schon ein Spiel als fair bezeichnen, bei dem der Gewinner bereits vor Spielbeginn feststeht?

 

Quellen:
Meyer,G.: Glücksspiel – Zahlen und Fakten, in: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (Hrsg.): DHS Jahrbuch Sucht 2018 (2018).
https://www.shz.de/deutschland-welt/wirtschaft/Kritik-an-Schweinsteiger-Kampagne-fuer-Automatenwirtschaft-id21446252.html (abgerufen am 30.10.2018)

https://twitter.com/BSchweinsteiger (abgerufen am 30.10.2018)
https://www.facebook.com/BastianSchweinsteiger/?hc_ref=ARTTfcWGlf8uYbUZSXC6gUlUuRVr6E05CCDqqMtZUklFjUo29jmmCMri0kaFNMCoT48&fref=nf&__tn__=kC-R (abgerufen am 30.10.2018)

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