Online-Glücksspiele – Ein Fachgespräch zum Aktionstag gegen Glücksspielsucht

Sep 27, 2019Aktuelles Suchthilfe

Die Thüringer Fachstelle Glücksspielsucht veranstaltete anlässlich des Aktionstages gegen Glücksspielsucht ein gelungenes Fachgespräch zum Thema Online-Glücksspiele. Mit dem Fachgespräch bot sich ein guter Rahmen für einen Austausch zu diesem gerade viel diskutierten Glücksspielbereich. Gemeinsam mit Prof. Dr. Jan-Philipp Rock und Dipl. Psychologe Tim Brosowski trafen sich eine ganze Reihe Vertreter*innen aus den Thüringer psychosozialen Beratungsstellen, aus den Bereichen Jugendschutz, Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatungsstellen, Gesundheitswesen, Verwaltung, Politik und Wirtschaft. Das Format der Veranstaltung ließ eine angenehme Nähe zwischen den Teilnehmenden zu und ermöglichte so das Netzwerken im besten Sinne, wie auch die Verabredung zu neuen spannenden Projekten.

Den ersten Teil des Fachgesprächs übernahm Prof. Dr. Jan-Philipp Rock, Richter am Landgericht Hamburg in einer Wirtschaftsstrafkammer, Lehrender an der Akademie der Polizei Hamburg im Bereich Straf- und Strafverfahrensrecht und ehrenamtlich tätig im Vorstand des Fachverbands Glücksspielsucht e.V.. Anhand seines Vortrages konnte geklärt werden, welche Spielformen im Internet aus juristischer Perspektive tatsächlich als Glücksspiele gelten und wie schwierig diese Beurteilung manchmal zu treffen ist. Zudem gab Prof. Dr. Rock den anwesenden Fachkräften ganz praktische Ansätze für die Begleitung von Betroffenen in den Beratungsstellen an die Hand.

Im zweiten Abschnitt der Veranstaltung referierte Dipl. Psychologe Tim Brosowski, tätig an der Universität Bremen und in der Bremer Fachstelle Glücksspielsucht, zu den Besonderheiten der Digitalen Gesellschaft, den damit verbundenen Risiken und den möglichen Risikogruppen bezüglich des Online-Glücksspiels. Anhand seines lebendigen Vortrages wurde klar, wie eng die Mechanismen von Gaming- und Gamblingindustrie beieinanderliegen und dass der Schutz vulnerabler Personengruppen durch Werbeverbote, Aufklärung und zielgruppenspezifische Prävention zukünftig eine hohe Priorität eingeräumt werden sollte.

Am Nachmittag erprobten die Teilnehmenden eine chatbasierte Beratung. Hier wurde deutlich, dass eine Online-Beratung via Chat das Face-to-Face-Gespräch mit den Betroffenen nicht ersetzt, sie allerdings dennoch eine gute Möglichkeit der niedrigschwelligen Erstkontaktaufnahme sein kann.

v.l.: Tim Brosowski (Uni Bremen), Claudia Frisch (Thüringer Fachstelle GlücksSpielSucht), Jan-Philipp Rock (Landgericht Hamburg)

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