Sehr geehrter Herr Staschewski,

im Rahmen des 1. LOTTO Thüringen Partnertages am 17. März 2018 kritisierten Sie uns als Thüringer Fachstelle GlücksSpielSucht gegenüber Vertretern der Mediengruppe Thüringen. So ist in dem Artikel „Thüringens Innenminister sieht Österreich als Vorbild im Kampf gegen illegale Wettanbieter“ vom 19. März 2018 zu erfahren, dass wir als Fachstelle Ihrer Einladung zum Betreiben eines Informationsstandes im Rahmenprogramm des Partnertages nicht folgten. Weiter heißt es, würden wir uns einer Debatte verweigern und uns stattdessen anderweitig öffentlich äußern. Zudem bezeichnen Sie unsere Einschätzungen zu den Suchtrisiken von Glücksspielen als „peinlich“ und wissenschaftlich nicht erwiesen.

Zunächst bedanken wir uns an dieser Stelle nochmals für Ihre Einladung zur Präsentation unserer Arbeit im Rahmen des Partnertages. Jedoch mussten wir ablehnen, da sich die Thüringer Fachstelle GlücksSpielSucht seit ihrer Gründung immer als unabhängige Institution zur Sicherung des Jugend- und Spielerschutzes verstand und weiterhin verstehen wird. Unabhängig meint hier insbesondere, dass wir kritisch bleiben und keine Partnerin der Glücksspielindustrie werden. Es käme uns nie in den Sinn, im Rahmen einer Werbeveranstaltung der Automatenindustrie unsere Arbeit zu präsentieren und gleiches gilt für Partnertage von staatlichen Glücksspielanbietern. Unserer Auffassung nach wäre es viel eher Aufgabe von LOTTO Thüringen, im Rahmen des Partnertages über eigene Maßnahmen zum Spielerschutz und zur Suchtprävention zu informieren.

Zudem war in Ihrer Einladung nicht formuliert, dass im Rahmen des Partnertages von LOTTO Thüringen eine Debatte ausgetragen werden sollte. Unserer Meinung nach eignet sich auch ein Infostand dafür kaum oder gar nicht. Gern debattieren und streiten, gern diskutieren wir auch mit Ihnen gut vorbereitet zur Sache und auf Augenhöhe. Dass sich ein Partnertag für kritische Töne nicht sonderlich gut eignet, können wir unterdessen nachvollziehen. Weiterhin liegt es doch in der Natur der Sache, dass sich unsere Mitarbeiter an anderer Stelle öffentlich äußern. Wenn Sie bei LOTTO Thüringen für Ihre Werbeveranstaltung in den Medien trommeln, müssen Sie glücklicherweise damit rechnen, dass seriöse Medienvertreter*innen auch kritischen Stimmen Gehör verschaffen. Das zeichnet nicht nur journalistische Qualität aus, sondern auch ein demokratisches Grundverständnis. So sehen wir uns in diesem Sinne als kompetente und kritische Ansprechpartnerin für Medienvertreter*innen und stehen diesen immer wieder gern zur Verfügung.

Unsere Ausführung: „Grundsätzlich können alle Glücksspiele auch süchtig machen“ als wissenschaftlich nicht erwiesen und „peinlich“ zu bezeichnen bedarf nach längerer Überlegung doch noch einer Würdigung. Es ist in der Fachstelle gängige Praxis, dass wir Glücksspielanbietern mit einem derartigen beruflichen Selbstverständnis einen gewissen Schulungsbedarf attestieren. Glücksspielsucht ist ein gesellschaftliches Problem, das immense wirtschaftliche und soziale Schäden verursacht. Lotto „6 aus 49“, mit einem relativ geringen Suchtpotenzial, spricht nach unserer Bewertung LOTTO Thüringen nicht davon frei, Maßnahmen zum Jugend- und Spielerschutz wirkungsvoll umzusetzen. Zumal im Portfolio des von Ihnen verantworteten Unternehmens auch Glücksspiele mit hohem Gefährdungspotenzial zu finden sind. Deshalb stehen wir als Thüringer Fachstelle GlücksSpielSucht, LOTTO Thüringen als Ansprechpartnerin zur Verfügung, solange es sachbezogen und zielorientiert um die Verbesserung des Jugend- und Spielerschutzes im Freistaat Thüringen geht.

Mit freundlichen Grüßen

Claudia Frisch
Thüringer Fachstelle GlücksSpielSucht