Erfurt, 24. September 2021/fdr+: Glücksspiel ist kein Brokkoli!¹
Knapp drei Monate ist in Deutschland das Glücksspiel neu geregelt. Vor dem Hintergrund des ab 01. Juli 2021 geöffneten deutschen Glücksspielmarktes sind Glücksspiele auch für Thüringer Spieler*innen leichter zugänglich geworden.

„Die durch den neuen Glücksspielstaatsvertrag und das Thüringer Glücksspielgesetz erhebliche Erweiterung des Glücksspielangebotes und die gleichzeitig immer präsentere Werbung für Glücksspiele, vermitteln den Thüringer Bürger*innen den Eindruck, dass Glücksspielen eine harmlose Freizeitbeschäftigung ist“, sagt Claudia Frisch von der Thüringer Fachstelle GlücksSpielSucht beim Fachverband Drogen- und Suchthilfe e.V. „Während bei den stoffgebundenen Drogen, wie z.B. Alkohol und illegale Substanzen der Gesetzgeber deutlich gegen eine höhere Verfügbarkeit steuert, sich zu den Risiken der Drogen klar bekennt, wurde der Glücksspielmarkt seit Juli dieses Jahres liberalisiert und geöffnet“, so die Soziologin weiter. Dabei kann Glücksspielen ebenso süchtig machen, wie eine stoffliche Substanz. Es wurden im Gesetz zwar auch einige Schutzmaßnahmen verankert, wie z. B. die Spielersperre, aber die Behörde, die u.a. mit der bundesweiten Kontrolle der Umsetzung des Spielerschutzes beauftragt worden ist, wird erst 2023 ihre vollständige Arbeit aufnehmen. Auch die Werberichtlinien der Länder sind veraltet und berücksichtigen die aktuellen Formate der Werbung unzureichend. Suchtexpert*innen fordern deshalb eine rasche Reform.
Die Suchthilfe- und prävention wird also genau hinschauen, wie die Entwicklung im Bereich des Glücksspielens verläuft und wenn notwendig, deutlich ihre Stimme für den Spielerschutz erheben.

Insbesondere für Jugendliche und junge Erwachsene kann Glücksspiel zu einem Suchtrisiko werden. Zum einen ist durch die virtuellen Automatenspiele ein Besuch in der Spielhalle nicht mehr nötig, zum anderen werben die Online-Casinobranche und die Sportwettvermittlungen insbesondere um junge Spieler*innen – und setzen dazu auch auf wirksames Influencer-Marketing.

Schätzungsweise 11.000 Thüringer*innen sind von einer Glücksspielsucht betroffen.
Anlaufstellen für Betroffene und/oder ihre Angehörigen sind Suchtberatungsstellen oder Selbsthilfegruppen. Informationen und Kontaktadressen rund um Glücksspielsucht sind abrufbar unter: www.fairspielt.info

Am 29.September 2021 findet der bundesweite Aktionstag gegen Glücksspielsucht statt. An diesem Tag soll die Öffentlichkeit mit vielfältigen Aktionen und Informationen für dieses Thema sensibilisiert werden. Die Thüringer Fachstelle GlücksSpielSucht hat dazu einen Podcast veröffentlicht, welcher unter https://rfeyt8.podcaster.de/ zu finden ist.

 

¹ In Anlehnung an eine Äußerung der Bundesdrogenbeauftragten Daniela Ludwig zu Cannabis