Glücksspielwerbung fördert Glücksspielsucht

Sep 20, 2018Aktuelles Suchthilfe0 Kommentare

Werbung für Glücksspiele befeuert das Spielverhalten und fördert Glücksspielsucht. Die Thüringer Fachstelle GlücksSpielSucht des fdr+ macht am bundesweiten Aktionstag Glücksspielsucht am 26. September 2018 auf die riskante Kombination aufmerksam und fordert strengere Regeln für den Jugend- und Spielerschutz.

Trotz der gesetzlichen Regulierungsvorschriften für Glücksspielwerbung zum Schutz der Bevölkerung zeigt sich die konkrete Werbepraxis massiv, aufdringlich und spielanreizend. Im Sinne von Jugend- und Spieler*innenschutz fordert die Thüringer Fachstelle GlücksSpielSucht (fdr+) am bundesweiten Aktionstag gegen Glücksspielsucht am 26. September 2018 eine Korrektur der Regelungen. „Die Werbepraxis im Glücksspielbereich hat längst Tatsachen geschaffen, die mehr an die Aufforderung zum Glücksspielen appellieren, als auf die Risikofaktoren bei Glücksspiel hinweisen“, sagt Claudia Frisch, Landeskoordinatorin in der Thüringer Fachstelle GlücksSpielSucht. „Wir wollen, dass irreführende Werbung verschwindet, der Glücksbegriff oder bekannte Mythen nicht mehr verwendet, Verstöße sanktioniert werden und die Werberichtlinie angepasst wird.“
Besondere Beachtung müssen in diesem Zusammenhang Minderjährige bekommen. Hier beschreiben Hinweise aus Studien, dass Glücksspielwerbung für diese Altersgruppe einen hohen Aufforderungscharakter besitzt. Gleichzeitig sind verhältnismäßig viele Risiko- und Problemspieler*innen gerade in dieser Altersgruppe anzutreffen (vgl. Hayer, 2012). Glücksspielwerbung wird von Jugendlichen wahrgenommen, sie weckt Bedürfnisse, Neugierde, fördert positiv gefärbte Erwartungshaltungen und macht die Spielteilnahme wahrscheinlicher. Dabei ist Glücksspielen unter 18 Jahren nicht erlaubt.

Glücksspielwerbung fördert Glücksspielsucht

Es ist unumstritten belegt, dass Glücksspielwerbung die Spielteilnahme erhöht und den Weg in eine Glücksspielsucht fördert. So gibt die Hälfte aller pathologischen Spieler*innen an, dass Glücksspielwerbung als auslösender Faktor für das Glücksspielen wirkt.
Zwei weitere Effekte lassen sich aktuell beobachten: Einerseits vermittelt die Flut an Werbung den Anschein, Glücksspiele sind ein normales Konsumangebot ohne großes Gefährdungspotential. Die mit dem Spielen verbundenen Risiken werden nicht ausreichend deutlich gemacht. Andererseits ist die Image- und Dachmarkenwerbung von Glücksspielanbietern immer mehr gleichgesetzt mit dem tatsächlichen Glücksspielangebot. Die Dachmarke ist zum Produkt geworden und die Menschen nehmen nicht mehr die Marke, sondern das angebotene Glücksspiel wahr.

Glücksspiele bergen Suchtpotential

Glücksspiele sind Produkte, deren Nachfrage mit schädlichen Folgen verbunden ist. Jedes Glücksspiel birgt für die Spieler*innen das Risiko einer Suchtentwicklung. Besonders hohes Suchtpotential haben dabei Glücksspiele mit hoher Ereignisfrequenz. Das sind u.a. Geldspielautomaten, Sportwetten und Sofortlotterien. In Thüringen gelten ca. 11.000 Personen und ihre Angehörigen als problematische und pathologische Glücksspieler*innen.

Bruttospielerträge liegen bei über 13 Milliarden Euro 

Mit Glücksspiel wird viel Geld verdient. Die geschätzten Bruttospielerträge, die mit Glücksspiel in Deutschland erzielt wurden, beliefen sich 2016 auf ein Volumen von insgesamt 13,4 Milliarden Euro. 81 % davon kamen aus dem regulierten Glücksspiel wie z.B. Casinospiele der Spielbanken, staatliche Lotterien oder Geldspielgeräte in Spielhallen, 19 % aus dem nicht-regulierten Glücksspielmarkt, wie z.B. Online-Casinos, Online-Poker oder Sportwetten.

Pressemitteilung

Aktionstag 2018

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