Am 11. November 2019 fand in Berlin ein Fachtag zum Themenkomplex Glücksspielsucht und Menschen mit Migrationshintergrund statt. Eingeladen hatte die Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung, in Kooperation mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Ziel der Veranstaltung war der Austausch über praktische Zugangserfahrungen zu migrantischen Communities und die besonderen Bedarfe dieser Zielgruppe. Ein Vertreter der Thüringer Fachstelle Glücks-SpielSucht nahm an diesem Fachtag teil.

Betroffene kommen in Beratungsstellen an

Gordon Emons vom Café Beispiellos der Caritas Berlin zeigte in einem Vortrag zur Entwicklung des Beratungsangebotes, dass der Anteil unter den Ratsuchenden von Menschen mit Migrationshintergrund ähnlich hoch ist wie unter der Berliner Normalbevölkerung. Sowohl unter den Ratsuchenden, wie auch allgemein, liegt deren Anteil bei ca. 30 %.
Im Vergleich dazu leben in Thüringen verhältnismäßig wenige Menschen mit ausländischen Wurzeln. Allerdings stieg auch hier deren Anteil seit dem Jahr 2015 deutlich an. Zudem zeigt sich hierzulande in Relation das gleiche Bild wie in Berlin. Im Jahr 2018 lag in Thüringen der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund bei 4,9 %, unter den Ratsuchenden im ambulanten Suchthilfesystem liegt er aktuell bei 5,56 %. Das heißt, die Betroffenen kommen in den Beratungsstellen an.

Peer – Beratung erfolgversprechend

Weiterhin teilten einige der Teilnehmer*innen am Berliner Fachtag die Erfahrung, dass in der Präventionsarbeit das Ausschütten von Aufklärungsmaterialien in unterschiedlichen Sprachen wirkungslos ist. Es macht keinen Sinn deutsche Materialien ins Arabische, Türkische, Russische etc. zu übersetzen, denn kulturelle Besonderheiten könnten so keine Berücksichtigung finden. Beispielsweise ist der Um-gang mit Bildern zwischen dem deutschen und dem arabischen Kulturkreis ein grundverschiedener. Erfolgsversprechend zeigten sich dagegen Präventionsangebote, die auf Peer-Beratung setzen. Menschen mit den gleichen Merkmalen und der gleichen Lebenssituation sind bereits Angehörige der Communities oder können an diesen leichter andocken. Somit ließen sich deutlich einfacher und schneller wesentliche Informationen zum Hilfesystem oder zu diversen Risiken weitergeben. Den Fachkräften in den Beratungsstellen käme dann die Aufgabe zu, im Beratungssetting mit der entsprechenden Offenheit professionell zu beraten. Eine große Schwierigkeit stellt dabei sicherlich die häufig vorhandene Sprachbarriere dar.

Video- und Audiodolmetschleistungen

Unabhängig vom Berliner Fachtag sei hier der Hinweis auf das seit Mai 2019 eingeführte Landesprogramm Dolmetschen gestattet. Es wird vom Thüringer Ministerium für Migration, Justiz und Verbraucherschutz gefördert. Als kostenloses Angebot für Video- und Audiodolmetschleistungen, unterstützt es die Zugewanderten und die berechtigten Stellen in Thüringen. Es wäre doch sinnvoll und gut, die Suchthilfe an das Landesprogramm Dolmetschen anzuschließen.

 

Glücksspiel, Glücksspielsucht, Migration, Prävention