Die Glücksspielaufsichten der Länder machen in einem ungewöhnlich scharfen Brief den Deutschen Fußballbund (DFB) auf die rechtswidrigen Angebote seines Werbepartners Bwin aufmerksam. Dies ist einem Artikel der Tagesschau-Redaktion vom 08. März 2019 zu entnehmen.

Hinlänglich bekannt ist, dass die geduldeten Wettanbieter, neben dem Sportwettangebot, sehr häufig illegale Online-Glücksspiele im Programm haben. Dazu zählen Online-Casinos, Online-Poker und Online-Spielautomaten mit Echtgeldeinsatz. Bwin bildet da absolut keine Ausnahme. Nachdem der DFB im vergangenen Jahr eine umfangreiche Partnerschaft mit Bwin verkündete und künftig wohl auch die deutsche Nationalmannschaft für den Sportwettanbieter wirbt, kann dieser Impuls der Glücksspielaufsichten nur begrüßt werden.
Die Werbung für illegale Glücksspiele ist in Deutschland gesetzwidrig. Die Aufsichten sehen Ihren Auftrag darin, unerlaubte Glücksspiele und diesbezügliche Werbung zu unterbinden. Sie drohen dem DFB damit, dass Bwin-Werbung insgesamt untersagt wird. Als schwerwiegende Konsequenz könnten die Glücksspielaufsichten Fernsehsendern das Ausstrahlen von Spielen mit entsprechender Banden- oder Trikotwerbung verbieten. Sollte es zu keiner Einigung kommen, würde ein mögliches Sendeverbot reichlich freie Sendeplätze im Fernsehen nach sich ziehen.

In einem angrenzenden Bereich zeigt ein ähnliches Vorgehen durchaus Wirkung. Bereits Ende Februar 2019 gingen die Landesmedienanstalten gezielt gegen Werbung von illegalen Online-Casinos vor, indem sie private Fernseh- und Rundfunksender auf die Unzulässigkeit dieser Werbebeiträge hinwiesen. Unter der Androhung verwaltungsrechtlicher Mittel sank inzwischen die Anzahl der Verstöße signifikant. Eine solche Wirkung für den Bereich der Fußballübertragungen ist aus suchtpräventiver Sicht absolut wünschenswert.

Glücksspielanbieter werben massiv im Profifußball 

Die Glücksspielwerbung im Profifußball hat inzwischen enorme Ausmaße angenommen. Bwin ist Hauptpartner der 3. Bundesliga und sponsert neben Borussia Dortmund diverse Profivereine. Der zweite große Anbieter Tipico, auch ein Anbieter illegaler Glücksspiele, ist Sponsor der Deutschen Fußballliga und Partner von Bundesligaprimus FC Bayern München. Auffällig ist weiterhin, dass fast alle Vereine der oberen drei Ligen irgendeinen Glücksspielanbieter im Sponsorenportfolio aufweisen. Der DFB und seine angeschlossenen Vereine nehmen exorbitante Summen mit den Werbeverträgen ein. Allein der DFB soll 50 Millionen Euro von Bwin für das Werbepacket erhalten.

Diskussion um Werberichtlinie dringend erforderlich

Aus Sicht der Prävention der Glücksspielsucht trägt die massive Glücksspielwerbung zu einer Normalisierung der beworbenen Glücksspielformen bei. Mitunter hochriskanten Produkten wird damit ein harmloser Anstrich verpasst. Zwar fehlt es an aussagekräftigen Studien über die Wirkung von Glücksspielwerbung auf Konsument*innen, von einer Erhöhung der Spielanreize ist allerdings auszugehen. Die Entwicklungen auf dem Glücksspielmarkt geben dieser Annahme recht, denn Sportwetten und Online-Casinos verzeichnen seit mehreren Jahren außerordentliche Steigerungsraten bei den Bruttospielerträgen. Den wenigsten Nutzer*innen dürfte dabei klar sein, dass sie an illegalen Glücksspielen teilnehmen, denn die Werbung ist ja überall zu sehen.

Das Vorgehen der Aufsichten gegen illegale Glücksspielwerbung kann aus suchtpräventiver Sicht nur der erste Schritt sein. Auf politischer Ebene wird gerade die Neugestaltung des Glücksspielstaatsvertrages diskutiert. Im Zuge dessen braucht es dringend auch eine Revision der Werberichtlinie. Gegen die millionenschweren Kampagnen der Glücksspielindustrie ist die Suchtprävention chancenlos. Zukünftige Werberestriktionen für Glücksspiele, ähnlich dem Tabakbereich, wären im Sinne der Suchtprävention sowie des Jugendschutzes der richtige Weg.

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