Aus Italien kommt eine Studie zur Rolle von sozialen und kognitiven Faktoren beim Glücksspielen und dem Hinweis, dass die Präsenz von Glücksspiel in den Medien einen deutlichen Einfluss auf die Entwicklung der Glücksspielsucht hat.
Die aktuelle Studie von Sarti und Trienti kritisiert, dass viele herkömmliche Studien, die die Bestimmungsfaktoren von Glücksspielverhalten untersuchen, oftmals ein unzureichendes Erklärungsmodell verwenden. Der Großteil der empirischen Studien beschränkt sich bislang auf die Erklärung mittels kognitiver Theorien. Diese besagen, dass vor allem diejenigen Menschen, die kognitiven Irrtümern erliegen, wie etwa dem schlechten Verständnis von Wahrscheinlichkeiten (bspw. geringe Wahrscheinlichkeit für einen Lottogewinn) und darüber hinaus über eine geringe Selbstkontrolle verfügen, zu Glücksspielern werden. Die Autoren können in ihrer Studie mittels Onlinebefragung von 2.000 Bachelorstudierenden in Norditalien jedoch zeigen, dass soziale Variablen wie etwa Akzeptanzwahrnehmung, Präsenz von Glücksspiel in den Medien und Peer-Verhalten einen größeren Einfluss als die kognitiven Faktoren auf die Teilnahme an Glücksspielen haben. Die verschiedenen statistischen Modelle konnten 32% (Intensität von Glücksspiel) bzw. 54% (Hang zum Glücksspiel) der Varianz der abhängigen Variablen statistisch erklären. Im Vergleich zu den häufig genutzten kognitiven Erklärungsmodellen scheint die Verknüpfung von psychologischen Faktoren mit sozialen Variablen somit eine deutlich höhere Erklärungsleistung aufzuweisen.

Quelle: Social Science Research; Volume 62, 219-237.

Forschung, Glücksspiel