am 18. Mai 2021, 09:00 Uhr, online

Die Thüringer Fachstelle GlücksSpielSucht und die LAG Kinder- und Jugendschutz Thüringen e.V. laden anlässlich der diesjährigen Reform des Jugendschutzgesetzes des Glücksspielrechts und der absehbaren Novellierung des deutschen Glücksspielrechts zum Fachgespräch „Gaming – Gambling: Glücksritter*innen in virtuellen Welten?“ ein. Gemeinsam mit Gerrit Neundorf (Sozial- und Medienpädagoge, Spawnpoint – Institut für Spiel- und Medienkultur e.V.) und Dr. Tobias Hayer (Dipl.-Psychologe, Schwerpunkt Jugend und Glücksspiel, Uni Bremen) haben Sie die Möglichkeit, sich im kollegialen Austausch über die Berührungspunkte von Videospielen und Glücksspielen und deren Bedeutung für die pädagogische und beraterische Praxis zu informieren.

Gemeinsam werden wir darüber sprechen, wo Kinder und Jugendliche im Internet Glücksspielen begegnen und welche Gefährdungspotentiale und Verantwortungen daraus erwachsen. Darüber hinaus beleuchten wir die rechtlichen Rahmenbedingungen und aktuelle Entwicklungen. Das Fachgespräch möchte eine Kompetenzstärkung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Suchthilfeeinrichtungen und Einrichtungen mit beratenden, erziehenden und behandelnden Aufgaben im konkreten Themenfeld anregen.

Das Thema

Die Anwendung digitaler Medien gehört zum Alltag von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Laut der aktuellen Jugendmedienstudie (Forschungsverbund Südwest 2018) gehen 97 % der Befragten zwischen 12 und 19 Jahren regelmäßig mit dem Smartphone ins Internet. Die mobile Medienanwendung ist längst selbstverständlicher Teil des Freizeitverhaltens junger Menschen und sorgt für eine weitere Trendumkehr, denn das Spielen auf mobilen Endgeräten hat seit dem vergangenen Jahr das Gaming am PC oder einer Konsole überholt.

Videogaming kann von beliebigen Orten aus betrieben werden – insbesondere männliche Jugendliche verfügen heute über ein komfortables mobiles Datenvolumen. Exzessivem Spielen ist somit Tür und Tor geöffnet. Diesen Umstand berücksichtigend, wurde die pathologische Videospielsucht in die Diagnosemodelle als anerkannte Suchterkrankung mit aufgenommen. Wir unterscheiden zwischen gambling disorder (Glücksspielsucht) und gaming disorder (Videospielsucht).

Neuere Entwicklungen lassen erkennen, dass die Grenzen zwischen Gaming und Glücksspielen mehr und mehr verschwimmen. Als profitabel für die Video-Spielbranche hat sich das Geschäftsmodell free-to-play erwiesen: Nutzer*innen können sich Online-Games zunächst kostenlos aus den App-Stores herunterladen und sofort beginnen zu spielen. Verschiedene Funktionen im Spiel sind jedoch nur durch Zahlungen freischalt- oder (sinnvoll) nutzbar. So sollen Spielende möglichst oft zur Überweisung von kleinen Geldbeträgen animiert werden, über die die Videospielfirmen dann Gewinne erzielen. Darüber hinaus enthalten, auch für Kinder und Jugendliche freigegebene Spiele immer öfter Glücksspielelemente. Dieses simulierte Glücksspiel fordert keinen direkten Geldeinsatz, ist jedoch strukturell identisch mit klassischen Glücksspielformaten.

Diese Etablierung von Glücksspielinhalten in digitalen Spielen stellt ein Risiko hinsichtlich einer möglichen Suchtentwicklung dar. Darauf verweisen jüngere Studien zum Thema Nutzungsmuster und Risikofaktoren bei dem so genannten social gambling im Jugendalter. Auf diese Entwicklungen müssen die Handelnden in der Arbeit mit jungen Menschen und mit besonders gefährdeten Zielgruppen vorbereitet sein. Gleichzeitig gilt es neben regulierenden Maßnahmen wie z.B. Werbeverbot oder das Einschränken bzw. Verbot von Mikrotransaktionen entsprechende verhaltenspräventive Maßnahmen zur Förderung der Medienkompetenz junger Menschen, aber auch v.a. von Eltern, zu entwickeln und umzusetzen.

Zielgruppen

Das Fachgespräch ist konzipiert für Mitarbeiter*innen der Suchthilfe und Suchtprävention, der Jugendhilfe, Jugendschützer*innen sowie Mitarbeiter*innen der Verbraucherinsolvenzberatungsstellen. Weiterhin sind pädagogische und beratende Fachkräfte aus angrenzenden Arbeitsfeldern herzlich willkommen.

 

  • Suchthilfe / Suchtprävention
  • Jugendschutz
  • Schuldnerberatung / Schuldenprävention
  • Verbraucherinsolvenzberatungsstellen

Programm

Anmeldung

Die Veranstaltung ist für Teilnehmer*innen aus Thüringen kostenfrei. Die Teilnehmer*innenzahl ist begrenzt auf 45 Personen. Den Link zur Teilnahme an der Online-Veranstaltung erhalten Sie rechtzeitig vor Beginn des Fachgespräches.

Zum Anmeldeformular gelangen Sie hier: