Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) veröffentlichte im Februar 2018 die Ergebnisse ihrer sechsten Repräsentativbefragung zum Glücksspielverhalten sowie zu glücksspielbezogenen Einstellungen und Problemen in der Bevölkerung in Deutschland. Die Erhebung wird im Zweijahresrhythmus durchgeführt und durch den Deutschen Lotto- und Totoblock kooperationsfinanziert.

Teilnahme an Glücksspielen bleibt stabil

Mit einer Stichprobengröße von n = 11.503 beleuchtet die Studie die Epidemiologie des Glücksspiels und liefert Informationen zum Kenntnisstand der deutschen Bevölkerung im Bereich der Prävention der Glücksspielsucht. Die Altersspannweite der per Festnetz- oder Mobiletelefon Befragten reicht von 16 bis 70 Jahren. Die Lebenszeitprävalenzen sind im Vergleich zur Befragung von 2015 leicht zurückgegangen (2015: 77,6 %; 2017: 75,3 %), wohingegen die Teilnahmerate an irgendeinem Glücksspiel in den vergangenen 12 Monaten erstmals seit dem Beginn der Erhebung stabil blieb. Im Jahr 2007 lag die 12-Monatsprävalenz noch bei 55 %, seither sank sie kontinuierlich auf 37,3 % im Jahr 2015 ab. Dieser Wert wurde nun auch bei der Erhebung 2017 ermittelt. Zudem ist die 12-Monats-Prävalenzrate bei den Jugendlichen im Vergleich zur Erhebung von 2015 leicht zurückgegangen. Nahmen damals noch 18,2 % an einem Glücksspiel teil, waren es laut aktuellem Bericht im Jahr 2017 nur noch 15,3 %.

Anstieg problematischen Spielverhaltens unter männlichen Jugendlichen

Die Studie ermittelte auf Grundlage der South Oaks Gambling Screen (SOGS), dass unter der Bevölkerung bundesweit schätzungsweise 0,31 % ein pathologisches und 0,56 % ein problematisches Glücksspielverhalten zeigen. Die am stärksten mit glücksspielbezogenen Problemen belasteten Gruppen im Jahr 2017 sind jeweils Männer zwischen 21 und 25 Jahren (3,84 %) sowie zwischen 18 und 20 Jahren (2,44 %). Erwähnenswert ist der Anstieg problematischen Glücksspielverhaltens unter den Jugendlichen gegenüber der Erhebung von 2015. Da bei den Mädchen kein problematisches Spielverhalten festzustellen war, ist der Anstieg von 0,37 % auf 0,63 % auf das Spielverhalten der Jungen zurückzuführen. Risikoerhöhende Merkmale für problematisches Spielen sind männliches Geschlecht, Alter bis 25 Jahre, niedriger Bildungsabschluss und ein Migrationshintergrund. Unter den Personen, die ein mindestens problematisches Spielverhalten zeigen, ist das „Kleine Spiel“ in der Spielbank mit 21,1 % die am häufigsten gespielte Spielform. Das Spielen von illegalen Internet-Casinospielen wird hier mit 18,4 % am zweithäufigsten genannt.

Abnehmende Reichweite der BZgA-Informationsangebote

Bezüglich der Wahrnehmung von BZgA-Informationsangeboten zum Thema Glücksspielsucht konstatiert der Bericht insgesamt eine eher abnehmende Reichweite dieser Präventionsangebote unter der deutschen Bevölkerung. Zwar hat die Informationsreichweite über das Internet leicht zugenommen, in sämtlichen anderen Medienbereichen, wie zum Beispiel Print- und Telemedien kam es allerdings zu einem Rückgang der Reichweitenergebnisse. Die abnehmende Reichweite wird durch das stille Erscheinen des seit Februar vorliegenden Berichts unterstrichen. Zur Veröffentlichung konnte durch die Thüringer Fachstelle GlücksSpielSucht weder eine Pressemitteilung, noch irgendein anderer Hinweis in den Medien gefunden werden.

Quelle: Banz, M. und Lang, P. (2017). GLÜCKSSPIELVERHALTEN UND GLÜCKSSPIELSUCHT IN DEUTSCHLAND. Ergebnisse des Surveys 2017 und Trends. BZgA-Forschungsbericht. Köln: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. doi: 10.17623/BZGA:225-GS-SY17-1.0

Dieser Bericht ist erhältlich als:

https://doi.org/10.17623/BZGA:225-GS-SY17-1.0 E-Book (PDF)

Forschung, Glücksspiel, Glücksspielsucht, Jugendalter