Die Deutsche Fußballliga (DFL) hob den Sportwettenanbieter Tipico ab sofort in den Status eines offiziellen Partners. Man einigte sich auf eine Vertragslaufzeit bis zum Ende der Saison 2020/21. Künftig darf Tipico mit den Logos der Bundesliga und der 2.Liga werben und der Wettanbieter erhält Erstverhandlungsrechte auf bestimmte Sonderwerbeformen. Daneben bindet die DFL den neuen Partner auf seinen medialen Plattformen ein.
Eine erste Kritik an diesem Vertrag kam von Transparency Deutschland. „Solch ein Sponsoring zu betreiben, ohne Maßnahmen zur Bekämpfung von Spielmanipulationen auszuweiten und offensiv auf die Gefahren der Spielsucht – gerade auch für junge Fußballer – hinzuweisen, steht der von der DFL immer wieder betonten Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung entgegen.“ meinte Sylvia Schenk, Leiterin der Arbeitsgruppe Sport von Transparency Deutschland.

Werbemaßnahmen zeigen Wirkung

Auch aus Sicht der Thüringer Fachstelle GlücksSpielSucht ist diese Zusammenarbeit absolut kritisch zu bewerten. Aus der angestrebten (Teil-)Liberalisierung des Sportwettenmarktes folgten mit der Etablierung von Sponsoring und Werbemaßnahmen von privaten Sportwettenanbietern rund um Sportveranstaltungen die augenscheinlichsten Veränderungen. Inzwischen gibt es kaum noch Vereine in den Fußball-Bundesligen, die keinen dieser Anbieter im Sponsorenportfolio aufweisen. Auch im Rahmen von Eliteveranstaltungen im Tennis oder Handball drängen sich die Werbebanner der Wettanbieter auf. Inzwischen existieren über 130 Internetseiten von Wettanbietern auf dem deutschen Markt und es werden rund 4500 stationäre Wettvermittlungsstellen betrieben.
Die ausgereiften Marketingkonzepte der Branche sprechen vorrangig Sportler und Sportinteressierte an. Zahlreiche internationale Untersuchungen zeigen zum Beispiel relativ hohe Prävalenzraten bei männlichen Athleten in Mannschaftsportarten bezüglich der Teilnahme an Sportwetten und anderen Glückspielen. So verwundert es nicht, dass es inzwischen erste Hinweise darauf gibt, dass glücksspielbezogene Probleme in Sportvereinen signifikant häufiger auftreten, als in der Normalbevölkerung.

Entwicklung läuft gegen Ziele des Glücksspielstaatsvertrages

Die Wahrung der Integrität des sportlichen Wettbewerbes sowie die Bekämpfung der Glücksspielsucht gelten als wesentliche Ziele des Glücksspielstaatsvertrages. Mit derartigen Kooperationen zwischen Sport und Wettbranche arbeiten hier beide Seiten konsequent an einer Unterminierung dieser Ziele. Ein ernstzunehmender Schritt im Sinne der Suchtbekämpfung wäre ein generelles Werbeverbot für Sportwetten im Rahmen von Sportveranstaltungen. Vielleicht könnte aber auch der freiwillige Verzicht des organisierten Sports auf die Gelder der Sportwettenabieter ein klares Zeichen gegen den Ausverkauf sportlicher Leitideen sein.

Quellen:
https://www.transparency.de/aktuelles/detail/article/transparency-deutschland-fordert-von-der-dfl-gesellschaftliche-verantwortung-beim-thema-sportwetten/ (abgerufen am 11. Januar 2018)
https://www.derwesten.de/sport/fussball/tipico-wird-partner-der-bundesliga-und-sofort-gibt-es-kritik-id213068933.html  (abgerufen am 11. Januar 2018)